Welche Studiomonitore passen zu mir?

Wir vom HOFA-College werden oft gefragt, welche Studiomonitore denn empfehlenswert sind. Natürlich hat jeder unserer Tutoren seine ganz persönliche Meinung, was auch oft für Gesprächsstoff sorgt. Um den Schleier einmal zu lüften, haben wir uns für zwei Tage in einer Regie verschanzt und verschiedene gängige Modelle getestet und miteinander verglichen. Dabei war es uns auch wichtig, eine gewisse Preisspanne abzudecken.

Seid also auf unsere Eindrücke gespannt, denn wir konnten es selbst kaum erwarten.

 
 
Ein moderner Verkaufsschlager (KRK) trifft auf einen guten Allrounder.
Kann sich die Firma KRK mit ihrer Low-Budget-Variante gegen die deutlich teureren Neumann behaupten?
 
Die wuchtigen Genelec treten gegen die kleinen und unscheinbaren Neumann an.
Doch welche Eigenschaft besticht?
 
Beim Testen wurde neben intensivem Hören auch auf gleiche Voraussetzungen (keine Pegelunterschiede) geachtet.
Im zweiten Testlauf wurde schließlich versucht, durch die Klangregelung an den Boxen den empfunden Klang zu optimieren.
 
Ein Vergleich auf Augenhöhe? Die Neumann KH 120 sowie die Adam A7X liegen in einem ähnlichen Preisbereich und lassen ein ebenbürtiges Duell erwarten. Dennoch gibt es deutliche Unterschiede.
 
Die HS-Serie von Yamaha erinnert optisch stark an die legendären NS-10.
Kann diese günstigere Variante in die Fußstapfen ihrer großen Vorbilder treten?
 
Die KS Digital sind im oberen Preissegment unseres Testlaufs.
In wie weit macht sich der höhere Preis bemerkbar?
   
Wir entschieden uns zum Test folgender Boxen:
  • Yamaha HS 7
  • KRK RP6 RoKit G3
  • Adam A7X
  • Neumann KH 120A
  • Genelec 1031
  • KS Digital ADM22

Zu Beginn sei erwähnt, dass wir den Test nicht allzu technisch gestalten wollten. Wer exakte Zahlen zu Leistung, Abstrahlverhalten oder Größe erwartet, möge bitte im Internet auf die Herstellerseiten gehen und sich dort die nötigen Informationen holen. Uns interessierte bei diesem Test vorrangig der subjektive Eindruck erfahrener Audio Engineers. Nun aber zur Durchführung.

Für den Test wurden die Monitorausgänge A und B einer SSL-Konsole genutzt, welche anhand des Frequenzgangs und der Lautstärke auf ihre Vergleichbarkeit mit einem Analyzer getestet wurden. Für den ersten Testlauf wurden alle Lautsprecher­parameter auf Neutralstellung belassen. Im zweiten Testlauf wurde versucht, die Lautsprecher durch ihre Klangparameter auf ein Optimum zu bringen. Von Interesse waren für uns der Frequenzgang, die Impulstreue sowie die Räumlichkeit und Tiefenstaffelung der unterschiedlichen Modelle. Auch die Emotionalität, also ein etwaiges Wohlgefühl beim Hören einer Box, wurde berücksichtigt.

Da uns beim ersten Hören die Neumann Box recht gut gefiel, entschieden wir uns dazu, diese als Vergleichsabhöre zu nutzen. Im späteren Verlauf haben wir dann auch noch andere Boxenkombinationen miteinander verglichen - je nach Interessenlage. Für die subjektive Beurteilung sollte natürlich auch Musik vorhanden sein, die wir gut kennen (Referenzsong) und welche verschiedene Genres abdeckt. Es wurden fünf Testsongs ausgesucht, jeweils in 44,1 kHz bei 16 Bit.


Die Testsongs waren:
  • Smetana - Die Moldau
    (Polish National Radio Symphony Orchestra)
  • Chris Jones - No Sanctuary Here
  • Tool - The Pot
  • Nickelback - Follow You Home
  • Infected Mushroom - Nevermind
  • Karnivool – Roquefort

Yamaha HS 7

Yamaha HS 7

Frequenzverlauf

Die HS-Serie von Yamaha erinnert optisch an die legendären NS-10, auf denen schon viele Hits gemischt wurden. Doch kann die günstige Variante in Form der HS 7 überzeugen?
Wobei man sagen muss, dass die NS10 zwar ein Riesenerfolg für Yamaha waren, sie aber in vielen Bereichen nicht überzeugten: sowohl bei der Linearität des Frequenzgangs als auch bei der Impulstreue und der räumlichen Tiefendarstellung. Wer aber auf den NS10 einen guten Mix ablieferte, hatte meist ein recht gut klingendes Ergebnis auf vielen weiteren Abhören zum Ergebnis.
Nun aber zur HS 7. Als wesentliche Faktoren sind uns die geringe Basswiedergabe und der höhenlastige und fast schon „klirrende“ Sound aufgefallen. Diese Verfälschung führt nicht nur zu einem inhomogenen Sound, sondern auch zu einem sehr unausgeglichenen Gesamteindruck. Des Weiteren weist die Box weder eine gute Räumlichkeit, noch eine gute Tiefenstaffelung auf. Aufgrund des relativ geringen Preises waren hier die Erwartungen nicht übertrieben hoch, jedoch würden wir diese Box nicht ohne Vorbehalte empfehlen. Ohne einen zusätzlichen Subwoofer ist es kaum möglich, tiefe Frequenzen angemessen zu beurteilen.

KRK RP6 RoKit G3

KRK RP6 RoKit G3

Frequenzverlauf

Die KRK RP6 RoKit G3 sind derzeit ein regelrechter Verkaufsschlager im unteren Preissegment. Grund genug, sich diese Box etwas genauer anzuschauen. Beim ersten Hören ist uns ein recht ordentlicher und für diesen Preisbereich ausgewogener Frequenzgang aufgefallen, der jedoch etwas unpräsent und flach in den Höhen wirkt. Man möchte recht schnell die EQ-Paramter nutzen und etwas mehr Höhen hinzugeben, da der Hochtöner doch etwas "bedrückt" wirkt. Besonders der Bassbereich ist im Vergleich zur HS 7 deutlich besser dargestellt, jedoch schwammig und undefiniert, was auf Kosten der Impulstreue geht. Ähnlich zu den HS 7 hören wir auch hier wenig Räumlichkeit und keine wirklich überzeugende Tiefenstaffelung. Dies führt unter anderem dazu, dass bei uns keine angemessene Verteilung der Musik auf der Stereobasis ankommt. Die Rokit 6 kommen klanglich schon etwas deutlicher und präsenter daher als die
HS 7, jedoch ist auch hier zu sagen, dass es in diesem Preisbereich keinen perfekten Allrounder gibt oder geben kann. Als preislich angepasstes Einsteigermodell macht man damit aber nicht allzuviel falsch und schafft eine gute akustische Grundlage, um sich mit seinen Mischungen zu befassen.

Adam A7X

Adam A7X

Frequenzverlauf

Die Adam A7X verfügen über einen ausgewogenen Frequenzgang, der aber etwas unpräsent und flach in den Höhen wirkt. Die Basswiedergabe ist sehr druckvoll, aber etwas überbetont. Der Speaker wirkt einfach sehr sehr mächtig. Die Folge ist ein Sound, der durch die Basswiedergabe zwar durchaus gefällt, jedoch sehr ungenau ist und mit Frequenzverdeckung zu kämpfen hat. Impulstreue Signale im unteren Mitten- und oberen Bassbereich sind somit nicht wirklich präzise. Dadurch wirkt der Bassbereich eher unspezifisch und schwammig. Positiv aufgefallen ist uns die gute Räumlichkeit in den unteren Mitten. Bei Betätigung der Klangregelung der Box geht sie eher in Richtung HiFi-Box (oder EQ-Badewanne). Auch schaffen es die EQ-Paramater nicht, die zu schwach dargestellten Höhen ausreichend gut zu betonen. Beim Musikgenre Rock überzeugte sie auf jeden Fall mehr als im elektronischen oder gar klassischen Musikbereich.

Neumann KH 120A

Neumann KH 120A

Frequenzverlauf

Die Neumann KH 120A haben uns in vielerlei Hinsicht überrascht. Trotz der geringen Größe und des unscheinbaren Auftretens weist die Box einen guten und ausgewogenen Frequenzgang auf. Des Weiteren ist die sehr gute Darstellung/Abbildung der Räumlichkeit in den oberen Mitten aufgefallen. Besonders die Präsenz der Stimme kommt dabei angenehm direkt rüber. Auch die Bässe werden recht moderat wiedergegeben, wenn auch etwas schwammig im Low End Bereich. Da hier nur ein Frequenzbereich von 52 Hz Untergrenze angegeben ist, scheint dies auch nicht allzu verwunderlich. Ebenfalls überzeugt haben uns die Tiefenstaffelung und die Verteilung der Musik auf der Stereobasis. Bei klassischer Musik ist die Instrumentierung nicht ganz so aufgetrennt und schön verteilt, wie das bei den KS Digital der Fall ist, jedoch geben sie ein sehr realistisches Bild des Orchesters ab. Das Impulsverhalten wirkt vor allem ab den oberen Mitten bei perkussiven Signalen und Gitarren sehr ausgeglichen. Unserer Ansicht nach ein echter Allrounder in diesem Preisbereich, der sich auch vor teureren Modellen nicht zu verstecken braucht!

Genelec 1031 A

Genelec 1031 A

Frequenzverlauf

Die Genelec 1031 A wurden bis 2005 gebaut und haben sich zu einem Klassiker im Studiobereich entwickelt. Positiv aufgefallen ist uns der ausgewogene Frequenzgang und die sehr gute Räumlichkeit in den Mitten. Durch ihre Leistung kann man schon ein echtes Pfund über die Speaker abgeben. Obwohl das Erscheinungsbild einen wuchtigen Bass vermuten lässt, fällt dieser zu unserer Verwunderung eher moderat aus. Angetan waren wir von der Impulstreue, die über einen großen Frequenzbereich vertreten ist - jedoch nicht so deutlich wie bei den Neumann KH120. Vielleicht merkt man an dieser Box, dass sich in den letzten Jahren einiges im Speakerbau getan hat. Für einen gebrauchten Speaker, der auch noch preiswert ist, spricht allerdings nichts dagegen. Gerade für eine größere Regie, die mehr Lautstärke verträgt oder braucht, sind die zur Verfügung stehenden 120 Watt durchaus von Vorteil.

KS Digital ADM22

KS Digital ADM22

Bei den KS Digital ADM22 ist uns zunächst der ausgewogene Frequenzgang positiv aufgefallen, der jedoch in den Höhen manchmal etwas zu unpräsent wirkt. Speziell in den mittleren Frequenzbereichen konnten wir eine sehr gute und ausgeglichene Räumlichkeit wahrnehmen. Auch die Tiefenstaffelung hat uns insbesondere bei perkussiven Signalen sehr gut gefallen. Der Speaker hat einfach eine richtig gute Impulstreue. Mit seinen 180 Watt und einem maximalen Schalldruckpegel von 122 dB kann man auch schon richtig Radau veranstalten und eine größere Regie ausreichend beschallen. Eine nachträgliche Anhebung der Höhen in der zweiten Testrunde führte nicht ausreichend zur gewünschten Verbesserung und ließ die Box eher wie eine Oberklasse Hifi Box klingen. In diesem Preisbereich sollten Speaker aber auf jeden Fall getestet und verglichen werden - und zwar auf Herz und Nieren.

Fazit

Kommen wir also zu einem Fazit. Dieses soll aber nicht - wie du es vielleicht aus der Presse kennst - eine abschließende Beurteilung der getesteten Boxen sein. Vielmehr möchten wir dazu raten, sich eben nicht gänzlich auf Testberichte oder Beschreibungen von Bekannten zu verlassen, sondern einfach mal in ein Geschäft zu gehen und Boxen miteinander zu vergleichen; natürlich bewaffnet mit Referenzsongs, die man in- und auswendig kennt. Wir wurden teilweise überrascht und hätten vor Beginn des Tests mit anderen Ergebnissen gerechnet. Es gab aber auch Ergebnisse, welche wir in dieser Form erwartet haben.

Ein wirklich entscheidender Punkt ist letztlich, dass die Musik, die man selbst machen/mischen möchte, auf der Abhöre „einfach gut“ klingt. Wenn man ständig gegen die Boxen mischen muss, um ein gutes Ergebnis zu erzielen, hat man es wohl nicht mit der richtigen Abhöre zu tun. Darüber hinaus ist es auch von großem Nutzen, einen Analyzer am Start zu haben, sollte die Wunschabhöre nicht genügend Bässe darstellen.

Wir hoffen also, dass euch dieser Test dazu animiert, beim Kauf einer Box ausgiebig im Laden zu testen und nicht nur aufgrund von Berichten „fremder Ohren“ Entscheidungen trefft. Und einen Kaffee gibt es in den meisten Musikhäusern sogar gratis dazu!